Jahresbericht 2023
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Freiwilligendienste

Wichtige Säule des sozialen Zusammenhalts

© Foto: ASB / H. Lehnig

Freiwilligendienstjahrgang 2023-2024. Foto: ASB/H. Lehnig


Tausende von Jugendlichen engagieren sich jedes Jahr in sozialen und kulturellen Projekten, um ihre Fähigkeiten zu erweitern, Verantwortung zu übernehmen und einen positiven Beitrag für die Gesellschaft zu leisten. Gleichzeitig bieten die Freiwilligendienste in Zeiten eines immer prekärer werdenden Arbeitskräftemangels unverzichtbare Gelegenheiten, soziale Berufe aus der Nahperspektive kennenzulernen. Daneben sind sie als zusätzlich helfende Hände für viele betreute Menschen nicht mehr wegzudenken. 

Der ASB Berlin bietet als Träger mit dem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) und dem Bundesfreiwilligendienst (BFD) jungen Menschen die Chance, über den Tellerrand zu schauen und sich sozial zu engagieren. Neben den ASB-internen Einsatzstellen im Rettungsdienst, in der Erste-Hilfe-Ausbildung und Sanitätsdiensten, in den Kindertagesstätten sowie Öffentlichkeitsarbeit, bietet der ASB Berlin Plätze in kooperierenden Einsatzstellen im Krankenhaus, der Behindertenhilfe, in einem Abgeordnetenbüro des deutschen Bundestags, im Theater sowie in der Kinder-und Jugendhilfe. 63 Freiwillige starteten im September 2023 in den neuen Jahrgang, 22 davon direkt beim ASB. Insgesamt arbeitete der ASB Berlin mit rund 40 Einsatzstellen zusammen. 

Das dreiköpfige Team begleitet die Freiwilligen das ganze Jahr pädagogisch durch vielseitige Seminarangebote und setzt dabei auf intensiven Austausch, Vernetzung und respektvollen Umgang. Dabei stehen sie angesichts der zum Teil herausfordernden Lebensumstände der Freiwilligen zunehmend als Gesprächspersonen zur Seite und erweitern deren Perspektive durch ein vielschichtiges und breit angelegtes Bildungsangebot. Um den Zusammenhalt im Jahrgang direkt von Beginn an zu stärken, wurden Teambuildingtage etabliert, die das Vertrauen untereinander förderten und die Kommunikationsfähigkeiten verbesserten. Auf Anregungen des Vorgängerjahrgangs, wurde das Seminarangebot erweitert. So wurden Handwerker:innentage und Kunsttage neu ins Programm aufgenommen, die bei den Freiwilligen sehr gut ankamen.

Auch angesichts der herausfordernden Lage von Freiwilligendienstleistenden, zeigten unsere Freiwilligen erneut, wie sie mit ihrem wertvollen Engagement die Gemeinschaft bereichern. 

Freiwilligendienste stärken:
Kampagne gegen geplante Haushaltskürzungen

#kürztunsnichtweg – unter diesem Motto demonstrierte unser Team Freiwilligendienste am 20. September gegen geplante Haushaltskürzungen. Foto: ASB/Wright

Im Frühjahr 2023 schlossen sich Freiwillige verschiedener Dienste und Träger zusammen und riefen die Kampagne #Freiwilligendienstestärken ins Leben, um die Rahmenbedingungen für Freiwillige zu verbessern. Die Erfahrungen zeigten bisher, dass die Teilnahme an einem Freiwilligendienst zu oft vom finanziellen Hintergrund der Person abhängig ist. Gerade junge Menschen aus einkommensschwachen Familien können trotz Interesse keinen Freiwilligendienst leisten. Dieses Problem wird durch Inflation und steigende Lebensunterhaltskosten weiter verschärft. Somit wird soziale Ungleichheit im Freiwilligendienst verstärkt. Zudem fehlt es an gesellschaftlich nötiger Anerkennung und Wertschätzung für Freiwilligendienstleistende. Die Kampagne forderte zu einer Petition auf und verlangte: mehr Taschengeld, die kostenlose Nutzung von Nah- und Fernverkehr, Recht auf Teilzeit, mehr Wertschätzung und Geld für die pädagogische Begleitung. 

Die Zukunft der Freiwilligendienste steht auf dem Spiel

Während sich über 100.000 Menschen der Petition an den Deutschen Bundestag anschlossen, wurden zeitgleich mit Beschluss des Haushaltsplans durch das Bundeskabinett im Juli 2023 die Streichung der Mittel in Höhe von 114 Millionen Euro in den Freiwilligendiensten bekannt. Die geplanten Kürzungen um 35 Prozent des Gesamtbudgets, bedeuteten nicht nur eine Reduzierung der finanziellen Unterstützung, sondern auch den drastischen Wegfall der FSJ-Plätze. Konkret bedeutete das: jede dritte Freiwilligenstelle würde somit wegfallen. 

Protestwellen setzen starkes Zeichen gegen Kürzungspläne

In einer Zeit, in der die Demokratie immer mehr unter Druck gerät, war es wichtiger denn je, die Mittel für die Freiwilligendienste im Bundeshaushalt zu sichern. Bundesweit riefen Träger im Herbst 2023 zu Aktionswochen auf und ließen die Menschen zu Wort kommen, die direkt und indirekt von den Kürzungen betroffen sind. Unter dem Motto „Freiwilligendienstestärken - kürzt uns nicht weg“ fanden digitale Social Media- und Postkartenaktionen sowie Abgeordnetenbesuche mit Freiwilligen in den Wahlkreisen statt. Höhepunkt der Proteste war die Demonstration vor dem Brandenburger Tor, an der sich rund 2.000 Freiwillige und Träger beteiligten. 

Finanzierung der Freiwilligendienste für 2024 gesichert

Im November 2023 hieß es dann aufatmen: der bundesweite Einsatz gegen die geplanten Kürzungen war erfolgreich. Die Petition bekam im Petitionsausschuss des Bundestags das höchste Votum. Somit sind die Forderungen der Freiwilligen nach besseren Rahmenbedingungen nun im Feld der Bundesregierung zur weiteren intensiven Prüfung. Und auch die geplanten Kürzungen wurden für das Haushaltsjahr 2024 zurückgenommen. Das sind sehr große Erfolge für die Freiwilligendienste. 



 Text: Henriette Lehnig

Kontakt
Team Freiwilligendienste 
ASB Landesverband Berlin e.V. 
Telefon: +49 (0) 30 21307-121
fsj@asb-berlin.de

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