
Max absolviert sein BFD beim Wünschewagen.
„Man hat einfach eine ganz andere Sicht auf das ganze Thema“
Max über das Seminar „Leben mit Beeinträchtigung“
Max macht seinen Bundesfreiwilligendienst beim ASB-Wünschewagen – einem Projekt, das letzte Herzenswünsche erfüllt. Im Rahmen seines BFD nahm er am Seminartag „Leben mit Beeinträchtigung“ teil. Im folgenden Interview mit der Freiwilligendienstleistenden Luka Braun erzählt er, was ihn an diesem Tag besonders bewegt hat, welche neuen Sichtweisen er gewonnen hat und warum solche Erfahrungen wichtig sind.
Worum ging es in dem Seminar?
Das Thema des Pakets „Leben mit Beeinträchtigung“ ging zwei Tage lang. Am ersten Tag bezog sich die Beeinträchtigung auf die Mobilität, d.h. der Kurs wurde von zwei Personen angeleitet, die beide auf einen Rollstuhl angewiesen sind. Dabei ging es um die Barrierefreiheit in Berlin und welche Probleme Personen haben, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind. Mein Highlight am ersten Tag war, dass wir 20 Freiwilligen selbst in Rollstühlen einen Stadtrundgang machten und erlebten, wie es sich anfühlt, in seiner Mobilität eingeschränkt zu sein. Am zweiten Tag bezog sich die Beeinträchtigung auf das Sehen. Das Seminar wurde von einer Frau angeleitet, die seit der Geburt blind ist. Mir hat es besonders gefallen, dass die Frau so offen über ihr Leben und ihre Erlebnisse geredet hat und, dass man sie alles fragen durfte.
Warum hast du dich für diesen Seminartag entschieden?
Hauptsächlich deshalb, weil ich in meinem direkten Umfeld niemanden habe, der in seiner Mobilität oder im Sehen eingeschränkt ist. Ich habe mich sehr dafür interessiert, wie es sein muss, mit einer Beeinträchtigung zu leben. Und für mich lag das Interesse auch darin, dass man in Berlin ständig Menschen sieht, die im Rollstuhl sitzen oder mit einem Blindenstock rumlaufen. Deshalb hatte ich auch das Bedürfnis, mehr zu lernen und zu wissen, wie ich helfen und unterstützen kann, damit ich mich auch einfach besser in die Lage reinversetzen kann. Dafür war das Seminar auf jeden Fall sehr hilfreich.
Wie hat sich deine Sicht auf das Thema nach dem Seminar verändert?
Ich würde sagen, ich habe jetzt einfach noch mehr Verständnis dafür, wie es ist, blind oder auf einen Rollstuhl angewiesen zu sein. Klar, davor kann man schon erahnen, welche Beeinträchtigungen eine Erblindung oder eine Einschränkung der Mobilität mit sich bringen. Das Seminar hat einem auf jeden Fall aber nochmal ein ganz anderes Verständnis für solche Beeinträchtigungen gegeben. Z.B. haben wir am zweiten Tag auch Brillen ausprobieren dürfen, die simulieren, wie die Welt mit unterschiedlichen Sehbeeinträchtigungen aussieht, wobei wir alltägliche Aufgaben erfüllen sollten. Da wurde mir sehr klar, dass wir als Gesellschaft noch ziemlich viel Arbeit vor uns haben, um unser Umfeld zugänglich für Menschen mit Beeinträchtigung zu machen.
Würdest du anderen empfehlen das Seminar zu belegen? Wenn ja, warum und aus welchem Grund?
Auf jeden Fall. Man hat einfach eine ganz andere Sicht auf das ganze Thema. Ich kann bis heute nicht mehr über eine Straße laufen oder aus einer U-Bahn aussteigen, ohne darüber nachzudenken, wie barrierefrei wir hier eigentlich sind. Ich achte viel mehr auf mein Umfeld und es fallen mir viel mehr Sachen auf, die in unserer Gesellschaft nicht barrierefrei sind. Zum Beispiel hat die U-Bahn-Station in der Straße, in der ich wohne, keinen Aufzug und klar war mir bewusst, dass das ein Problem ist, aber jetzt, da ich dieses Erlebnis durchgemacht habe, ärgere ich mich noch mehr darüber und werde mich in Zukunft dafür einsetzen, das zu ändern. Mit dem Seminar hilft man meiner Meinung nach also nicht nur sich selbst, sondern auch seinen Mitmenschen, und das fasst für mich die Kernidee des Freiwilligendienstes sehr gut zusammen.