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Boris Michalowski (2.v.l.) im Übungseinsatz für die UEFA EURO 2024.

„Wir müssen uns mit unserer eigenen Resilienz auseinandersetzen“

Interview mit Boris Michalowski – Fachdienstleiter Katastrophenschutz im ASB Berlin

Angesichts von Klimakrise und Krieg in Europa rufen mittlerweile viele anerkannte Stellen, wie die europäische Kommission oder das BBK jeden Haushalt dazu auf, einen Notfallrucksack und Vorräte für mindestens drei Tage bereit zu halten. Rettungskräfte könnten bei großflächigen Katastrophen nicht überall gleichzeitig sein. Daher sei es wichtig, sich im Ernstfall erst einmal selbst versorgen zu können. Naturgewalten, Stromausfälle, gezielte Angriffe auf die Infrastruktur – ob solche Gefahren zur Katastrophe werden, hängt auch davon ab, wie gut vorbereitet wir als Gesellschaft sind.

Wie resilient ist Deutschland bzw. Berlin aktuell?

Das ist schwer einzuschätzen, da vieles natürlich aus Sicherheitsgründen entsprechend vertraulich ist. Aber jedes große Unternehmen, das ich kenne, hat mittlerweile einen Business Continuity Plan, was ein Teil der Resilienz ist. Großunternehmen haben meist eine entsprechende Security Abteilung, die so etwas mitentwickelt. Die Frage ist: wie sieht es mit klein- und mittelständischen Unternehmen aus, die ja auch unglaublich wichtige Aufgaben für eine Gesellschaft erfüllen? Und klar ist, dass Berlin als Regierungssitz nochmal eine ganz andere Angriffsfläche bietet, auch für uns gegenüber feindlich gesinnte Akteure.

Was sind die aktuell größten Herausforderungen im Bevölkerungsschutz?

Das Thema Zivilschutz bzw. zivile Verteidigung ist in den letzten Jahren deutlich relevanter geworden, da sich die Sicherheitslage massiv verändert hat. Auch der Bund schaut mittlerweile ganz anders auf den Zivilschutz und hat eine entsprechende Erwartungshaltung. Die Resilienz der Gesamtgesellschaft ist natürlich auch abhängig von der Resilienz der Bevölkerung, das heißt: wie können private Haushalte eigentlich für Resilienz sorgen? Deswegen gibt es seit ein paar Jahren das Weiterbildungsprogramm „Erste Hilfe mit Selbstschutzinhalten“, das auch der ASB in Berlin regelmäßig kostenlos anbietet. Man kann wirklich nur jede Bürgerin und jeden Bürger dazu ermutigen, sich mit dem Gedanken vertraut zu machen, wie sie selber resilient werden können. Wie groß ist denn wirklich der Notvorrat zu Hause? Würde ich zwei, drei Tage zurechtkommen, wenn der Supermarkt nicht geöffnet hat?

Welche Maßnahmen könnten sonst noch helfen, uns noch resilienter zu machen?

Einen leistungsfähigen Zivilschutz und Bevölkerungsschutz zu stemmen, wird natürlich Geld kosten. Wir haben immer noch einen teilweise sehr stark überalterten Fuhrpark, die Garagen, in denen die Katastrophenschutz-Fahrzeuge teilweise stehen, entsprechen nicht den aktuellen Anforderungen. Und wir haben zugleich noch die Problematik der Ungleichstellung von Einsatzkräften aus den anerkannten Hilfsorganisationen gegenüber Einsatzkräften des THW oder den Freiwilligen Feuerwehren. Hier muss sich langfristig etwas ändern.

Vielen Dank für das Gespräch!

Patricia Dichtl