Flüchtlingshilfe · Rückblick
2022–2025: Rückblick auf das Ukraine-Ankunftszentrum Tegel
Abschied am 18. Dezember 2024: Das Leitungsteam erhält das ASB-Ehrenkreuz in Bronze. Foto: ASB / Ricarda Zahn
Am 18. Dezember 2025 endete mit dem Auszug der letzten Bewohner:innen eine fast vierjährige Ära. Wir blicken auf eine intensive Zeit zurück, die im März 2022 unter dem Eindruck des Krieges in Europa begann und das gesamte Team vor beispiellose Herausforderungen stellte.
Vom Provisorium zum strukturierten Großprojekt
Was in den ersten Wochen als improvisierter Einsatz des ASB-Katastrophenschutzes und engagierter Ehrenamtlicher begann, entwickelte sich rasch zu einem professionellen Ankunftszentrum. Aus dem Nichts wurden Bettenkapazitäten geschaffen, Lagerstrukturen aufgebaut, Spenden sortiert, einen Wäschekreislauf etabliert, eine Einkaufsabteilung aufgebaut und eine umfassende Hygieneversorgung organisiert. Zu Beginn mit einem kleinen Team, das mit den Herausforderungen immer weiter gewachsen ist.
Dabei musste sowohl das Team als auch die Organisation über die Jahre hinweg eine enorme Anpassungsfähigkeit beweisen. In einer Art „Start-up-Manier“ wurden immer neue Aufgabenbereiche angegangen, Teams aufgebaut und umbesetzt, Prozesse iterativ bewertet und in Strukturen überführt. In Spitzenzeiten waren wir beim ASB ein Team von rund 450 Mitarbeitenden. Der Betrieb glich oft einem „Dauer-Livebetrieb“, bei dem Prozesse, Verantwortlichkeiten und Strukturen fast täglich an neue Realitäten angepasst werden mussten.

Ein tolles Team. Foto: ASB / Ricarda Zahn
Mehr als nur Logistik: Menschlichkeit und Resilienz
Der Erfolg des Projekts definierte sich nicht nur über gemeisterte Aufgaben und Meilensteine, sondern über die menschliche Komponente. Das Team fungierte oft als erste Anlaufstelle für Schutzsuchende und leistete neben der reinen Betreuung auch emotionale Unterstützung. Es galt, Schicksale auszuhalten und Orientierung zu bieten, während die Rahmenbedingungen des Projekts selbst oft im Wandel waren.
Ein besonderes Merkmal des Standorts war die gelebte Vielfalt: Mit Mitarbeitenden aus 46 Nationen war das ASB-Team in Tegel eines der vielfältigsten auf dem gesamten Gelände. Diese kulturelle Breite ermöglichte kreative Lösungsansätze und war ein wesentlicher Faktor für die erfolgreiche Betreuung vor Ort.
Das Projekt ANo-TXL hat sich von einem kleinen Logistikbetrieb zu Beginn zu einer komplexen Struktur mit verschiedenen Funktionsebenen und Fachbereichen entwickelt. Dass dieses Ziel erreicht wurde, ist der gemeinsamen Anstrengung aller Beteiligten zu verdanken. Angefangen bei den Freiwilligen der ASB-Ehrenamtsstruktur über die fortlaufende Unterstützung aus dem ASB-Landesverband bis zu den vielen Mitarbeitenden in Tegel. Hinter dem Projekt stehen vier Jahre voller Einsatz, Menschlichkeit und der unermüdliche Wille, in einer Krisensituation professionelle Hilfe zu leisten.
Text: Thilo Scheffler
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